Dienstag, 27.09.2022 23:37 Uhr

1000km–Rennsportgeschichte wird lebendig am Nürburgring

Verantwortlicher Autor: Markus Faber Nürburgring (DEU), 17.09.2022, 20:52 Uhr
Presse-Ressort von: Markus Faber Bericht 1716x gelesen
Anfahrt auf Karussell
Anfahrt auf Karussell  Bild: Markus Faber

Nürburgring (DEU) [ENA] Seit 1953 sind die ADAC-1000 Kilometer der ultimative Rennsport auf dem Eifelkurs. Auf der gut 26 Kilometer Gesamtstrecke siegten bis 1983 alle großen Rennlegenden, wie Ascari, Moss, P. Hill, Surtees, Siffert, Ahrens, Peterson, Ickx, Merzario in der "grünen Hölle".

Idole wie Stommelen, Heyer, Stuck, Alboreto, Mass, Redman, Wollek, Piquet, Patrese oder Ludwig, Laffite, Fitzpatrick oder Vic Elford haben aktiv an der Rennsportgeschichte des 1000 Kilometer Rennens mitgeschrieben. Die Gesamtstrecke mit gut 26 Kilometer zu bewältigen gilt nach wie vor als eine große Herausforderung. Insgesamt dürfen sich die Besucher auf fast 7 Stunden Renndauer, nahezu 40 Runden über Grand Prix Kurs und Nordschleife an diesem Wochenende freuen. Eine der größten Herausforderungen für Teams und Mensch und Maschine. Im Jahr 2021 kehrte das Rennen erstmals nach langer Unterbrechung wieder zurück.

Von Beginn an ist das 1000 Kilometer Rennen Bestandteil der neugeborenen Sportwagen-Weltmeisterschaft. Der ADAC als Veranstalter beantragt beim Automobil-Weltverband FIA ein Langstreckenrennen in Deutschland. Als Austragungsort kommt damals nur der Nürburgring in Frage. Da die Rennen der neuen Meisterschaft eine Mindestdistanz von 1000 Kilometern haben müssen, steht sehr schnell fest, dass das Rennen genau über diese Distanz führen wird. Am 30. August 1953 schließlich fällt erstmals die Startflagge für die 51 qualifizierten Fahrzeuge, die in acht verschiedenen Klassen auf die lange Reise durch die Eifelwälder geschickt werden.

Die frühen Jahre

Große Starterfelder mit etlichen unterschiedlichen Fahrzeugen der verschiedenen Sportwagenklassen sind über die Jahre ein Markenzeichen des Rennens. Es geht also nicht nur um den Gesamtsieg, den die großen Hersteller eh unter sich ausmachen, sondern auch um die unzähligen Klassensiege, die von den Fahrern der kleineren Fahrzeuge mit genauso viel Einsatz und Herzblut erkämpft werden. Der erste Gesamtsieg geht an die Scuderia Ferrari, die mit ihren beiden Starfahrern Alberto Ascari und Giuseppe Farina den Lorbeer nach Italien holen. Volle acht Stunden und zwanzig Minuten benötigen die beiden in ihrem 375 MM für die 44 Runden.

Das für den 29. August 1954 angesetzte zweite 1000 Kilometer Rennen findet nicht statt. Ein herber Rückschlag so kurz nach dem hoffnungsvollen Beginn. Der Grund liegt in der Nichtbeteiligung von Mercedes-Benz. Die Stuttgarter konzentrieren sich voll auf die Formel 1 und überraschen den ADAC mit ihrem unerwarteten Rückzug. Doch ohne Mercedes würden die Zuschauer wenig Interesse entwickeln. Um ein finanzielles Desaster abzuwenden, bleibt dem Veranstalter also nur die Absage des Rennens, für das der Club auf dem Titel seiner „Motorwelt“ schon die Werbetrommel gerührt hatte.

Die Glanzzeit

Der Zuschauerandrang ist enorm, die Anzahl der teilnehmenden Fahrzeuge erreicht Rekordmarken. 60 bis 70 Autos sind keine Seltenheit. Dies ist vor allem des immer intensiver werdenden Engagements der Firma Porsche zu verdanken, die nicht nur mit zahlreichen Werkswagen am Start ist, sondern auch den überwiegenden Teil der privat gemeldeten Fahrzeuge stellt. Porsche will unbedingt den Gesamtsieg, aber erst in der zweiten Hälfte der Dekade hat man die dafür nötigen Einsatzfahrzeuge. Vom 718RS über den 904, den 906, den 910 und die 907/908 Versionen bis hin zum am Nürburgring ungeliebten 917 reicht die Palette der Stuttgarter Sportwagen und Prototypen in den 1960ern.

1967 ist es dann soweit, gleich vier Werkswagen vom Typ 910 beenden das Rennen auf den ersten Plätzen. Im Jahr darauf reicht es für einen Doppelsieg und 1969 schließlich landen gleich fünf Autos vom Typ 908 auf den vordersten Rängen. Am Nürburgring ist Porsche in jenen Jahren nicht zu schlagen. Sicher erinnern sich noch viele an die Namen der damaligen Werksfahrer: Jo Siffert, Vic Elford, Hans Herrmann, Rolf Stommelen, Gerhard Mitter, Kurt Ahrens, Brian Redman und einige mehr.

Wippermann
Brünnchen
Breidscheid

Die 70er und 80er Jahre

Die beiden ersten Jahre der 70er Dekade werden noch von Porsche beherrscht. Am Nürburgring ist der 908 in seiner aktuellsten Version nicht zu schlagen. Ferrari hat mit dem schweren 512S Sportwagen keine Chance gegen die flotten Flitzer aus Zuffenhausen. Der Brite Vic Elford sorgt gleich zweimal für Porsche Gesamtsiege. Nach seinem Landsmann Stirling Moss wird Elford als der erfolgreichste Fahrer in die Geschichte des 1000 Kilometer Rennens eingehen.

1972 meldet sich Ferrari zurück. Der 312PB in den Händen von Jacky Ickx und seinen Teamkollegen erweist sich als das schnellste Gefährt auf der Nordschleife, vor allem weil Porsche den 908 inzwischen in private Hände gegeben hat und das Auto kaum noch weiter entwickelt wird. Auch ein Nachfolger ist nicht in Sicht, was dazu führt, dass bis 1974 die Gesamtsiege an Ferrari, Matra und Alfa Romeo fallen. Die zweite Hälfte der 70er wird 1976 durch den ersten Sieg eines BMW eingeläutet. Ein neues Reglement sorgt für das Ende der schnellen Dreiliter-Prototypen – von nun an dominieren vor allem die Porsche 935 in diversen Versionen das Geschehen.

Zur Attraktivität des Rennens hat das nicht unbedingt beigetragen, die Zuschauerzahlen tendieren stetig nach unten. Auch die Markenvielfalt und die damit verbundene hohe Teilnehmerzahl, für die das 1000 Kilometer Rennen lange Zeit berühmt war, gehören jetzt der Vergangenheit an. Um die Starterfelder aufzufüllen, dürfen ab 1976 erstmals Tourenwagen an den Rennen teilnehmen. Das bleibt bis zum letzten Rennen auf der Nordschleife im Jahr 1983 so. In den 80er Jahren kehren die Prototypen in Gestalt der Gruppe 6 und Gruppe C Fahrzeuge zurück. Lancia erscheint auf der Bildfläche und sichert sich 1982 den Gesamtsieg.

Jacky Ickx und Jochen Mass gewinnen auf dem schon im Umbau befindlichen Nürburgring das letzte Rennen auf der legendären Strecke, die bereits vom gesamten Start-und-Ziel Bereich beraubt, ein Stück ihrer Identität verloren hat. Damit geht die Ära der 1000 Kilometer Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife endgültig zu Ende. In den Folgejahren werden weitere Rennen mit dem „1000 Kilometer“ Titel auf der neuen Grand Prix Strecke durchgeführt, doch erreichen diese nie den Glanz der legendären 44 Runden durch die „Grüne Hölle“, die 30 Jahre lang die Herzen der vielen Zuschauer und auch der Teilnehmer höher schlagen ließen.

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