Donnerstag, 27.06.2019 14:00 Uhr

Woelki hält Homosexualität keinesfalls für Krankheit

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 20.05.2019, 17:55 Uhr
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Köln [ENA] Erzbischof Rainer Maria Woelki hat am Montag erklärt, Sexualität in der Priesterausbildung müsse thematisiert und dürfe nicht tabuisiert werden. Der Kardinal sagte dies in einem Gespräch mit dem Direktor des Bonner Theologenkonvikts Collegium Albertinum, Pater Romano Christen, der sich homosexuellenfeindlich geäussert hatte. Woelki habe deutlich gemacht, dass er Homosexualität keinesfalls für eine Krankheit halte.

Laut Kurien-Pressedienst sprach Woelki dem Pater aber sein Vertrauen aus: „Wir alle machen Fehler, ich auch, und es ist wichtig, dass ein einzelner Fehler nicht alles andere überschattet. Pater Romano leistet im Collegium Albertinum wertvolle Arbeit, für die ich ihm ausdrücklich gedankt habe.“ Nicht zuletzt durch den Missbrauchsskandal habe die Kirche gelernt, dass “wir Sexualität in der Priesterausbildung nicht tabuisieren dürfen, sondern, im Gegenteil, thematisieren müssen.” Die Diözese wolle allen Priesteramtskandidaten, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung, zu einer vertieften Reflexion über ihre Sexualität verhelfen.

Der Institutsleiter war wegen Äusserungen zur Homosexualität in die Kritik geraten. Medienberichte hatten aus seinem Vortrag vor Studenten zitiert, Homosexualität sei nicht angeboren, sondern "Folge einer psychologischen (Fehl)entwicklung." Es gebe Therapien dagegen, die aber nicht immer erfolgreich seien. Männer mit "tief sitzender homosexueller Tendenz" könnten daher nicht geweiht werden, wie es auch in vatikanischen Instruktionen festgelegt sei. Später räumte Christen laut Domradio ein, sein Vortrag sei unzulänglich und mitunter vielleicht auch so formuliert gewesen, dass er Missverständnisse allzu leicht ermöglicht hätte. Es sei nicht seine Absicht, homosexuelle Menschen zu verletzen.

Die Aussagen des Priesterlehrers waren zum Teil scharf kritisiert worden. Auf der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken hatte Erzbischof Stefan Hesse aus Hamburg die Ausführungen Christens als "katastrophal" verurteilt. Bereits zuvor hatte das Erzbistum Köln an eine frühere Aussage seines Kardinals erinnert, homosexuelle Beziehungen nicht nur als "Verstoß gegen das natürliche Gesetz" zu sehen: "Ich versuche auch wahrzunehmen, dass da Menschen dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen, sich Treue versprochen haben und füreinander sorgen wollen, auch wenn ich einen solchen Lebensentwurf nicht teilen kann", zitierte das Domradio den Erzbischof.

In dem ausführlichen Gespräch mit Christen am Montag habe der Kardinal seine Kritik an einzelnen Äußerungen über Homosexualität wiederholt, von denen er bis zur Berichterstattung in den Medien keinerlei Kenntnis gehabt habe, hiess es im erzbischöflichen Pressedienst. Der Kardinal hat laut Kurie nicht eher mit dem Pater sprechen können, weil er sich als Präsident des Heilig-Land-Vereins in Israel aufgehalten habe.

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